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  ++Grundrisse und Fotos 1. Untergeschoss++  
  ++Grundrisse und Fotos 2. Untergeschoss++  
 
  Daten  
 


Das Organisations- und Rechenzentrum (ORZ) wurde von 1972 bis 1975 gebaut und 1976 an die NVA übergeben.
Die Planung wurde, wie bei fast allen Spezialbauwerken dieser Zeit, durch das PBS (VEB Projektierungsbüro Süd in Dresden) realisiert. Das Projekt lief als Investitions-Vorhaben Nr. 17/206 (Nicht zu verwechseln mit der späteren Objektbezeichnung 05/206).

Der oberirdische Gebäudekomplex bestand im wesentlichen aus dem Stabsgebäude mit Küchentrakt und Spreisesaal sowie dem Wachgebäude. Das Herz der Anlage jedoch lag 17 m unter der Erdoberfläche.

Hier einige Daten zum Bunker:

  • Außenabmessungen (L x B x H): 48,30m x 42,90m x 17 m
  • Gesamtfläche: ca. 4.000 m²
  • Etagen: 2
  • Zwischengeschoß unter der Zerschellschicht: 70 cm hoch (50 cm mit Kies verfüllt)
  • Schutzklasse: B
  • Stärke der Zerschell-Schicht (Z-Schicht): 2,50m - 3,10m
  • Auskragung der Z-Schicht: 7,50m
  • verwendeter Beton: B 300 (jetzt B 25)
  • Stromversorgung bei Netzausfall: 4 Schiffsdiesel (einer davon als Reserve)
    • elektr. Leistung im Dauerbetrieb: 876 kW
  • Dieselreserve: 64.000 Liter
  • Druckluftreserve: 6 x 1,125m³ (bei 16 MPa) entspr. etwa 1.100 m³ unkomprimierte Luft
  • maximale Dauer der Hermetisierung: 24 h.

Aufgaben und Geschichte

Das ORZ war mit Rechentechnik aus dem RGW-Programm ESER (Einheitliches System elektronischer Rechentechnik) ausgestattet. So waren bis 1985 zwei Rechner vom Typ ES 1040 und anschließend ES 1055 im Einsatz.
Neben vielen anderen war das "Operative Auskunftssystem des Stabes" das wichtigste Projekt, an dem täglich gearbeitet wurde.

Die Anlage wurde 1993 aufgegeben und wechselte bis 2002 mehrfach den Besitzer.
Zum Glück teilte das Objekt nicht das Los vieler anderer ehemliger Standorte der NVA - Verwahrlosung, Plünderung und Vandalismus hielten sich in Grenzen.
Noch einmal ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit rückte die Anlage 1999, als diletantisch gelöschtes Datenmaterial aus der HV-Aufklärung des MfS eingelagert und später entschlüsselt wurde. (Zum kompletten Spiegelartikel geht es hier)

Komplex 5000

Der sogenannte Führungskomplex 5000 umfasste insgesamt 5 Großbunker, einschließlich diverser Nebenanlagen, Tarnaufbauten und Versorgungseinrichtungen, deren Planung bis Mitte der 60ziger Jahre zurückreicht (mehr dazu im Buchtipp "Befehl Filigran).
Die bekanntesten Anlagen sind die Hauptführungsstelle der Partei- und Staatsführung der DDR (Objekt 5001) in Prenden (verschlossen) und die zur Tarnung als FWS (Flugwetterstation) bezeichnete Hauptführungsstelle des Ministeriums für Nationale Verteidigung (Objekt 16/102) in Harnekop (www.bunker-harnekop.de).
Obwohl das ORZ in Garzau nicht unmittelbarer Bestandteil des Bunkerkomplexes war, ist dessen Errichtung und Betrieb im engen Zusammenhang zu sehen.
So war es eine der Hauptaufgaben des ORZ, tägliche Meldungen über Stärke, Bestände und Vorkommnisse aus allen Teilstreitkräften zusammenzufassen und dem MfNV zur Verfügung zu stellen. Im Ernstfall hätte man im Bunker in Harnekop die tagesaktuellen Daten aus Garzau auf einem baugleichen Rechner eingelesen.